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Bad Honnef und Umgebung

Meinung: Warum Bad Honnefs Imagefilm filmisch gut ist und inhaltlich daneben

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Bad Honnef | Bad Honnef arbeitet an seinem Image. Dinge, an deren Attraktivität und Schönheit niemand zweifelt, werden in den Mittelpunkt gestellt. Freitag die Marienkapelle in Rhöndorf. Die zwar jetzt niemand mehr sieht, jeder aber denken könnte, die DHL hätte einen neuen Anstrich finanziert. Das Zitat “Zu schön für uns, oder?” soll eine Provokation sein, zum Nachdenken anregen. Folge: In Selhof soll die Kapelle St. Martin bewacht werden.

Gestern wurde der erste Imagefilm einem weltweiten Publikum im Internet präsentiert, der ein Märchen erzählt, das Wirklichkeit werden soll.

Ein Mann erzählt seinem Sohn (?, leibhaftiger Sohn? Vielleicht adoptiert? Aber der Mann könnte auch der Messias sein) die Geschichte eines jungen Mannes, der mit Rucksack und Wanderstock durch einen Ort zieht und nach Heimat sucht. Natürlich ist der Mann selbst der junge Wanderer, der seine eigene Geschichte erzählt und dem Sohn/Kind erklärt, dass es sich bei dem Ort um das gelobte Land handelt, das auch seine Heimat “sein wird”. Was (auch optisch) darauf schließen lässt, dass das Kind eher ein Migrantenkind ist und von dem eventuell (wäre dramaturgisch hipp) schwulen Mann (keine Mutter zu sehen – oder doch der Messias) gendermäßig adoptiert worden ist.

Weniger hipp an dem Drehbuch (quasi ein Knock-out): In dem Erstling wird eine reine Männergeschichte erzählt. Frauen kommen nicht mal als Statistinnen vor. Da kann der Wanderstock beim Schlendern durch die Stadt, die bei oberflächlichem Hingucken auch Kaldenkirchen sein könnte, unbewusst doch eine ganz eigene Symbolkraft ins Spiel bringen.

Dass der Film mit seinen depressiven Wallander-Farben, seiner optischen Tristess, der typisch emotionalisierenden Musik und 100 Prozent-Slow Motion je nach Gemütslage gefühlsmäßig etwas auslöst – keine Frage. (Nein, das Filmdetail mit dem Herzen ist nicht unentdeckt geblieben.)

Man sieht förmlich die Tränen der Stadtpolitiker bei der Präsentation und versteht einmal mehr, warum die Beratung über die Dachmarke hinter verschlossenen Türen und nicht in der Öffentlichkeit stattgefunden hat.

Egal! Das Fiasko ist die prägende Männerdominanz, in bester 7M-John Wayne-Manier in Szene gesetzt. Mit einem Hauptdarsteller, der einen kleinen Jungen in die Stadt der Glückseligkeit führt und einer Art älter gewordener Tom Sawyer, der weiß, dass er bald sein erstes Bier beim Küfer Jupp trinken wird.

Wenn auch in weiteren Folgen (die ja wohl kommen werden) Frauengeschichten erzählt werden: Im ersten Imagefilm der Stadt kommen sie nicht vor, sie können in diesem Märchen nicht mehr Erste sein. Albern, wenn jetzt noch eine Frau einem Mädchen den Weg ins Nizza am Rhein weisen würde. Deshalb ist der Trailer (?) inhaltlich daneben, künstlerisch gut.

Ob in dem (Gesamt-)Werk eine Bad Honnefer Geschichte erzählt wird, die die Bürgerinnen und Bürger überzeugt, werden wir spätesten am 27. August 2017 auf der Insel erfahren, wenn die ganze Kampagne einschließlich Logo und Slogan der Öffentlichkeit präsentiert wird. Hoffentlich bei Sunnesching.

(Satz gelöscht)

Und danke an den Bürgermeister, der extra Kritik eingefordert hat und nun auch emotional die Stadt aufmischt.

 

Leserzuschriften

Burkhard Hoffmeister 6. August 2017 eingestellt am 13:28

Lieber Ho,
Sie wissen gar nicht, wie sehr Sie den Nagel auf den Kopf treffen. Ja es könnte auch Kaldenkirchen sein, die Perle des Niederrheins inmitten der regionalen Hotspots Lötsch, Bracht, Brüggen, Breyell, Hinsbeck, Lobberich, Leuth. Mit Mönchengladbach und Krefeld das berühmte gleichseitige Metropolendreieck bildend mit jeweils 25 km Distanz. Ganz viel Fachwerk auch dort. Kenn ich gut, komme aus Kaldenkirchen.

Ist aber nicht Kaldenkirchen. Ist Bad Honnef. Ja ja, das Filmchen provoziert. Sie haben recht, mir kamen fast Tränen. Emotional, berührend, n’büsch’n Kitsch. HERZkino eben. Hoffnungslos romantisch. Fehlte die Putte, die regelmäßig im blickdichten Taft durchs Bild flattert. Bin gespannt auf die Fortsetzung(en) – gern Ihrer berechtigten Anmerkung folgend mit Frauen. (Dennoch, der kernige Wanderer in HERZblutwallung hat mich beeindruckt und mitgeschwemmt.) Danach Sebastian Pufpaff und Andy Borg samt Glaskugel in esoterischer Séance mit unseren verblichenen Mitbürgern Heinz G. Konsalik und Peter Scholl-Latour. Oder Fafnir vor dessen Rhöndorfer Drachenhöhle im Gespräch mit seinen Brüdern Otr und Reginn, die wie 3.000 weitere Sagengestalten endlich in Bad Honnefs neue Häuser einziehen wollen. Dann Rehkuh mit Kitz im Stadtwald, Hollandmeisje auf der Löwenburg, Georg Z. stolz am Schlemmerabend, die Ottonen im Chor ihrem Helden huldigend. Wiedergeburt der Heimatfilme.

Ein Gewitter auf facebook und sonstwo. Post auf post. Zuuuh romantisch, der Clip? Genau. Und gut erkannt. Mehr HERZ geht kaum. Nur mal kurz festgehalten: Ganz schnell beschäftigen sich ganz Viele mit ihrer Stadt. Mit Verve, mit alternativen Ideen, mit Hingabe. Der Clip hat gepackt. Gewirkt. Mission erfüllt. Und, ganz sicher, das Filmchen schreckt ortsfremde Beschauer*innen nicht ab. Im Gegenteil macht es neugierig auf die Jecken zwischen soviel Fachwerk. Ist eben Brecht’sches Theater, mit Ver-/Entfremdung und so.

Wenig Aufwand mit der Kapelle. Viel Wirkung. Habe sogar gehört – ernsthaft! – dass jetzt die Touristen entäuscht seien, weil ja das Wahrzeichen verpackt sei! Wenn Gedanken so tief schürfen…. dann ist die Idee offenbar gelungen. Man gebe Christo den Tipp zur Plagiatsklage. Gut, dass sie jetzt in Selhof ihre Kapelle bewachen; besser, wenn sie diese auch einkleiden würden, um nicht den Anschluss zu verpassen. Und Blattgold rings um den den tollen Marktpatz.

Just jetzt beginnt der BM auch noch zu twittern. So was. Wie Donald Trump!… Also Käse? Vielleicht. Aber die Präsidenten von F ud D twittern ebenfalls, Merkel dito, Volker Beck und Gabriel und Schweini und Justin Bieber und honnef heute undund. Mal gucken, was BM zu sagen hat; jedenfalls passt es zu Otto N..

Wertschätzung für alle Kritik an der Idee mit dem kleinen HERZen im Wappen. So ein HERZ ist ja auch sowas von altbacken. Sagen ganz viele – und denken feste drüber nach. Es hat schon wieder gewirkt. Auch bei mir, und also noch etwas Senf auf die Wurst: Das Wappen findet vor allem in der oberen Hälfte statt, unten bringt es treudeutsch in (sehr ordentlichen Quadraten) die herrschaftlichen Farben. Sehr formal. (Wenn wenigstens die Felder die Zahl der Honschaften aufnehmen würden. Tun sie aber nicht.) Historischen Frevel begeht das Konzept mit dem HERZ wohl nicht, denn letztes Mal wurde das Wappen 1970 variiert. Fände es gar nicht so verkehrt, wenn eines der Schachfelder verfremdet würde. Das wäre echte Aufmerksamkeit, die sich so wecken ließe. Käme mindestens in Aktueller Stunde und Hier&Heute, sowieso in HWZ/GA/br/honnefheute. Warum tun die das? Und wieder mal: Es wirkt.

Für mich ist das Mut zur Aktion. Anschub für Denken. Einstieg in einen Prozess, dessen Beschleunigung so effizient kaum erwartet werden konnte. Eben von Profis. Die Einwände fordern, weil sie genau die Ideen und Empfindungen Anderer auch hören wollen. Hat geklappt. Zum Fest am 27. auf der Insel wird mehr feedback das Rathaus erreicht haben als in den letzten 62 Jahren. Wie war das noch mal?: “Eine Stadt entschließt sich.” Kann es sein, dass wir da mitten drin sind? In einem überraschend vehementen Prozess unter vollkommen unerwartet großer Anteilnahme. Was sonst nur mittels unerhörter Tabubrüche gelingt, auf welche hier weise verzichtet wird. Aufbruch ohne Trump’schen Horror. Aber mit HERZ UND VERSTAND.

Gerade auf facebook der Post einer von mir sehr geschätzten Rhöndorfer Persönlichkeit: Kapellenverhüllung gut, Video kitschig! Prima, dass die Vielfalt der Meinungen floriert. Kann mensch gut mit leben. Die Standpunkte Anderer erfahren. Zuhören können, weil viel gesagt wird. Von Vielen, die sich zurecht berufen fühlen. Achtung und Respekt. Klasse. Kulturrevolution?

Jedenfalls gefällt das besser als die zuletzt doch kleinergeistige Geheimniskrämerei am Rathausplatz. Erfolg durch Differenzierung (von “Wettbewerbern”), Anspruch, Qualität – Quantität können Alle. Erfolg über kreative Wege. Über Neuerung statt mittels steten Drehens an der Gebührenerhöhungsschraube. Wandel, an den mensch glauben kann. Lebendiger Dialog. Öffentliche Debatte statt closed shop. Richtig so, denn Bad Honnef ist kein Konzern, sondern eine öffentliche Sache. Ein Gemeinwesen im eigentlichen Sinn.

Zurück nach Kaldenkirchen. Denn von Kaldenkirchen lernen heißt siegen lernen. Die haben dort seit Jahrhunderten ein Lied. Das Stadtlied. Wäre so etwas nicht ein wirklich angebrachter nächster Schritt? Refrainanleihen könnten unmittelbar beim Kaldenkirchner Original gemacht werden:

“Viele hundert Jahre hast Du überlebt,
standest fest und sicher, wenn Siegfrieds Felsen bebt.
Du bist uns’re Heimat – sollst es ewig sein.
Hoch lebe Honnef, Tor zum Mittelrhein.”

Oder?

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  1. Burkhard Hoffmeister

    6. August 2017 eingestellt am 13:28

    Lieber Ho,

    Sie wissen gar nicht, wie sehr Sie den Nagel auf den Kopf treffen. Ja es könnte auch Kaldenkirchen sein, die Perle des Niederrheins inmitten der regionalen Hotspots Lötsch, Bracht, Brüggen, Breyell, Hinsbeck, Lobberich, Leuth. Mit Mönchengladbach und Krefeld das berühmte gleichseitige Metropolendreieck bildend mit jeweils 25 km Distanz. Ganz viel Fachwerk auch dort. Kenn ich gut, komme aus Kaldenkirchen.

    Ist aber nicht Kaldenkirchen. Ist Bad Honnef. Ja ja, das Filmchen provoziert. Sie haben recht, mir kamen fast Tränen. Emotional, berührend, n’büsch’n Kitsch. HERZkino eben. Hoffnungslos romantisch. Fehlte die Putte, die regelmäßig im blickdichten Taft durchs Bild flattert. Bin gespannt auf die Fortsetzung(en) – gern Ihrer berechtigten Anmerkung folgend mit Frauen. (Dennoch, der kernige Wanderer in HERZblutwallung hat mich beeindruckt und mitgeschwemmt.) Danach Sebastian Pufpaff und Andy Borg samt Glaskugel in esoterischer Séance mit unseren verblichenen Mitbürgern Heinz G. Konsalik und Peter Scholl-Latour. Oder Fafnir vor dessen Rhöndorfer Drachenhöhle im Gespräch mit seinen Brüdern Otr und Reginn, die wie 3.000 weitere Sagengestalten endlich in Bad Honnefs neue Häuser einziehen wollen. Dann Rehkuh mit Kitz im Stadtwald, Hollandmeisje auf der Löwenburg, Georg Z. stolz am Schlemmerabend, die Ottonen im Chor ihrem Helden huldigend. Wiedergeburt der Heimatfilme.

    Ein Gewitter auf facebook und sonstwo. Post auf post. Zuuuh romantisch, der Clip? Genau. Und gut erkannt. Mehr HERZ geht kaum. Nur mal kurz festgehalten: Ganz schnell beschäftigen sich ganz Viele mit ihrer Stadt. Mit Verve, mit alternativen Ideen, mit Hingabe. Der Clip hat gepackt. Gewirkt. Mission erfüllt. Und, ganz sicher, das Filmchen schreckt ortsfremde Beschauer*innen nicht ab. Im Gegenteil macht es neugierig auf die Jecken zwischen soviel Fachwerk. Ist eben Brecht’sches Theater, mit Ver-/Entfremdung und so.

    Wenig Aufwand mit der Kapelle. Viel Wirkung. Habe sogar gehört – ernsthaft! – dass jetzt die Touristen entäuscht seien, weil ja das Wahrzeichen verpackt sei! Wenn Gedanken so tief schürfen…. dann ist die Idee offenbar gelungen. Man gebe Christo den Tipp zur Plagiatsklage. Gut, dass sie jetzt in Selhof ihre Kapelle bewachen; besser, wenn sie diese auch einkleiden würden, um nicht den Anschluss zu verpassen. Und Blattgold rings um den den tollen Marktpatz.

    Just jetzt beginnt der BM auch noch zu twittern. So was. Wie Donald Trump!… Also Käse? Vielleicht. Aber die Präsidenten von F ud D twittern ebenfalls, Merkel dito, Volker Beck und Gabriel und Schweini und Justin Bieber und honnef heute undund. Mal gucken, was BM zu sagen hat; jedenfalls passt es zu Otto N..

    Wertschätzung für alle Kritik an der Idee mit dem kleinen HERZen im Wappen. So ein HERZ ist ja auch sowas von altbacken. Sagen ganz viele – und denken feste drüber nach. Es hat schon wieder gewirkt. Auch bei mir, und also noch etwas Senf auf die Wurst: Das Wappen findet vor allem in der oberen Hälfte statt, unten bringt es treudeutsch in (sehr ordentlichen Quadraten) die herrschaftlichen Farben. Sehr formal. (Wenn wenigstens die Felder die Zahl der Honschaften aufnehmen würden. Tun sie aber nicht.) Historischen Frevel begeht das Konzept mit dem HERZ wohl nicht, denn letztes Mal wurde das Wappen 1970 variiert. Fände es gar nicht so verkehrt, wenn eines der Schachfelder verfremdet würde. Das wäre echte Aufmerksamkeit, die sich so wecken ließe. Käme mindestens in Aktueller Stunde und Hier&Heute, sowieso in HWZ/GA/br/honnefheute. Warum tun die das? Und wieder mal: Es wirkt.

    Für mich ist das Mut zur Aktion. Anschub für Denken. Einstieg in einen Prozess, dessen Beschleunigung so effizient kaum erwartet werden konnte. Eben von Profis. Die Einwände fordern, weil sie genau die Ideen und Empfindungen Anderer auch hören wollen. Hat geklappt. Zum Fest am 27. auf der Insel wird mehr feedback das Rathaus erreicht haben als in den letzten 62 Jahren. Wie war das noch mal?: “Eine Stadt entschließt sich.” Kann es sein, dass wir da mitten drin sind? In einem überraschend vehementen Prozess unter vollkommen unerwartet großer Anteilnahme. Was sonst nur mittels unerhörter Tabubrüche gelingt, auf welche hier weise verzichtet wird. Aufbruch ohne Trump’schen Horror. Aber mit HERZ UND VERSTAND.

    Gerade auf facebook der Post einer von mir sehr geschätzten Rhöndorfer Persönlichkeit: Kapellenverhüllung gut, Video kitschig! Prima, dass die Vielfalt der Meinungen floriert. Kann mensch gut mit leben. Die Standpunkte Anderer erfahren. Zuhören können, weil viel gesagt wird. Von Vielen, die sich zurecht berufen fühlen. Achtung und Respekt. Klasse. Kulturrevolution?

    Jedenfalls gefällt das besser als die zuletzt doch kleinergeistige Geheimniskrämerei am Rathausplatz. Erfolg durch Differenzierung (von “Wettbewerbern”), Anspruch, Qualität – Quantität können Alle. Erfolg über kreative Wege. Über Neuerung statt mittels steten Drehens an der Gebührenerhöhungsschraube. Wandel, an den mensch glauben kann. Lebendiger Dialog. Öffentliche Debatte statt closed shop. Richtig so, denn Bad Honnef ist kein Konzern, sondern eine öffentliche Sache. Ein Gemeinwesen im eigentlichen Sinn.

    Zurück nach Kaldenkirchen. Denn von Kaldenkirchen lernen heißt siegen lernen. Die haben dort seit Jahrhunderten ein Lied. Das Stadtlied. Wäre so etwas nicht ein wirklich angebrachter nächster Schritt? Refrainanleihen könnten unmittelbar beim Kaldenkirchner Original gemacht werden:

    “Viele hundert Jahre hast Du überlebt,
    standest fest und sicher, wenn Siegfrieds Felsen bebt.
    Du bist uns’re Heimat – sollst es ewig sein.
    Hoch lebe Honnef, Tor zum Mittelrhein.”

    Oder?

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Bad Honnef und Umgebung

Gesucht: Fotos von Johanna (Hanna), Lina und Carl Schiemann

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Bad Honnef | Für den Festband der Universitätsmedizin zum Jubiläum „600 Jahre Universität Rostock“ im Jahr 2019 recherchierten Gisela Böck und Tim Peppel auch in Bad Honnef. Das Autorenteam suchte nach Frauen, die um das Jahr 1900 in Rostock im Fach Medizin promoviert und damit zu den Pionierinnen gehörten, die ein solches Studium absolviert hatten. Gefragt wurde nach Hanna Schiemann, die erst die siebte Frau gewesen war, die an der Universität Rostock den „Dr. med.“ erlangt hatte. Sie und ihre Geschwister hatten ihre letzten Lebensjahre in Honnef verbracht.

Die Mitarbeitenden des Archivs der Stadt Bad Honnef möchten unterstützen und suchen für das Archiv und gleichzeitig für die Universität in Rostock Fotografien von Johanna (Hanna), Lina und Carl Schiemann, ihrem Haus oder ihrer Praxis, damals in der Luisenstraße 17. Die Geschwister haben von 1942 bis etwa 1960 in Honnef gelebt. Angebotene Fotos oder auch Dokumente werden eingescannt und selbstverständlich zurückgegeben. Gibt es noch ein Erinnerungsstück, das fotografiert werden könnte?

Die Lebensgeschichte der drei Geschwister ist geprägt durch die politischen Wirren des 20. Jahrhunderts: Hanna Schiemann war von 1915 bis 1917 an der Universität Rostock immatrikuliert. Ihre Schwester Lina promovierte 1908 in Würzburg, Hanna 1918 in Rostock.

Lina arbeitete als Ärztin am Berliner Krankenhaus am Urban und war dort die erste Frau, die eingestellt wurde. Später ließ sie sich in Köln als Gynäkologin nieder. Im Zweiten Weltkrieg wurde ihre Wohnung ausgebombt und so kam sie 1942 nach Honnef in das eigentlich als Sommerhäuschen gedachte Haus in der Luisenstraße. Das Haus gibt es nicht mehr.

Hanna wirkte in Königsberg als Allgemeinärztin. Ihr Bruder Carl war als „Dr. jur.“ Landgerichtsdirektor in Königsberg bis er, wahrscheinlich aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber den Nationalsozialisten, 1933 in den Ruhestand versetzt wurde. 1944 mussten Hanna und Carl ihre Heimat verlassen und zogen zu ihrer großen Schwester nach Honnef.

In der Luisenstraße richteten die Schwestern eine Praxis ein. Sie kümmerten sich sehr um ihren Bruder, führten ihm den Haushalt. So berichtet jedenfalls Zeitzeuge Dr. Franz Georg Weckbecker, der sich noch gut an die Geschwister erinnern kann. Da er Arzt ist, waren die Schwestern damals seine Kolleginnen.

1951 verstarb Carl und 1958 zeigte Hanna den Tod ihrer Schwester Lina an. 1960 suchte Hanna per Annonce nach einer Hausgehilfin. Wann und wo sie gestorben ist, konnte nicht herausgefunden werden.

Gisela Böck (Institut für Chemie der Universität Rostock) und Tim Peppel (Leibniz-Insitut für Katalyse e. V., Rostock) schreiben: „Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass für Frauen die Universitäten, die seit dem 14. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum entstanden waren, bis zum Beginn des 20. Jahrhundert hinein für eine reguläre Immatrikulation verschlossen blieben.“

Wer Informationen zur Familie Schiemann weitergeben möchte, meldet sich bitte beim Archiv der Stadt Bad Honnef: Christine Pfalz (Telefon 02224/184-121, christine.pfalz@bad-honnef.de) oder Georg Lehmacher (Telefon 02224/184-177, georg.lehmacher@bad-honnef.de), Rathausplatz 1, 53604 Bad Honnef.

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Fachdienst Asyl: Flüchtlinge bekamen “Mieterführerschein”

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Bad Honnef | Fit für die Wohnungssuche war das Thema einer besonderen Schulung, zu der der Fachdienst Asyl der Stadt Bad Honnef und das Netzwerk „Bad Honnef hilft“ die bei uns lebenden anerkannten Flüchtlinge jetzt in das Internationale Begegnungszentrum OASE in Selhof eingeladen haben.

Kerstin Bender von der Verbraucherzentrale NRW erklärte an diesem Abend in einfachen Worten wichtige Begriffe aus Vermietungsangeboten und Mietverträgen und welche finanziellen Verpflichtungen sich aus einem Mietverhältnis ergeben. Nachdrücklich wies sie die über 30 interessierten Zuhörer auch auf die Bedeutung einer persönlichen Haftpflichtversicherung hin. Ergänzt wurden ihre Ausführungen durch Informationen darüber wie deutsche Vermieter sich ein gutes Mietverhältnis vorstellen. Dazu waren im Vorfeld mehrere Bad Honnefer Makler, private Vermieter und ein Immobilienverwalter befragt worden.

Nach der Veranstaltung bekamen die Teilnehmer von der Stadt Bad Honnef einen “Mieterführerschein” ausgestellt, in dem alle besprochenen Themen aufgeführt sind: Von der Mülltrennung über Hausordnungen, Instandhaltung der Wohnung, Putzpläne und Ruhezeiten bis zum Zusammenleben mit den anderen Mietern im Haus. (B.S.)

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