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Nicht satzungsgetreu, schlechtes Kommunikationsverhalten – Was wird aus dem VVS?

Siebengebirge | Unverständlich bis lächerlich. Uni-Professor John Speer aus Redlands (Kalifornien) versteht nicht, wie die Deutschen aus einer Naturgegebenheit ein künstliches Problem schaffen können. Vor zwei Jahren hat er noch die herrliche Drachenfelslandschaft bewundert und den köstlichen Wein bei Karl-Heinz Broel genossen. „Das soll jetzt alles vorbei sein?“, fragte er honnefshopping.de. „Wo ist die Solidarität und Flexibilität der Deutschen, die ich so sehr schätze?“

Solidarität und Flexibilität bleiben im Siebengebirge zurzeit ziemlich auf der Strecke. Lediglich die Bürger setzen sich mit Herzblut und Aktionen für die herausragende Kulturlandschaft am Siegfriedfelsen ein. Hauptakteur des Unsolidarpaktes ist ausgerechnet der Verschönerungsverein Siebengebirge. Zwar bringt sein Siegfriedfelsen großes Unheil über die Bad Honnefer Drachenfelsregion und gefährdet die Natur, Abhilfe schaffen will er allerdings nicht. Dabei ist sein satzungsgemäßer Auftrag, das Siebengebirge in seiner Schönheit zu erhalten.

Großer Quertreiber ist der Vorsitzende Hans Peter Lindlar. Vollkommen unverständlich, warum er den abgesprochenen Anteil an der Sicherung der Weinberge nicht zahlen will. Als Politiker und ehemaliger Regierungspräsident hat er sich für das Wohlergehen des Volkes entschieden. Stattdessen setzt er sich für das Wohlergehen seines VVS ein. Eine solch hohe Summe zu investieren, würde seiner Meinung nach die Existenz des Vereins aufs Spiel setzen.

Was natürlich Quatsch ist. Denn erstens hat der Verein sechsstellige Beträge auf seinem Konto, investiert (Landesmittel inbegriffen) über eine Million in neue Ausstellungsräume und den Umbau seines Verwaltungsgebäude aus Gestein des Siebengebirges, besitzt ca. 850 ha Land, das zum größten Teil vom Land gepachtet ist und hat neben den Mitgliedsbeiträgen weitere Einnahmequellen. Um den von ihm zu erbringenden Anteil von 500.000 EUR bezahlen zu können, hat das Land zudem angeboten, 50 ha Land aufzukaufen. Außerdem würde die NRW-Stiftung vorfinanzieren.

Mittlerweile bekommt Lindlar Unterstützung vom VVS-Beirat. Der ist zwar gespalten, dennoch spricht sich laut General-Anzeiger ein beträchtlicher Teil seiner Mitglieder gegen eine Finanzierungsbeteiligung an den Sicherungsmaßnahmen aus. Namen werden nicht genannt. Das riecht nach Feigheit vor der eigenen Courage. Grund könnte auch sein, dass die meisten Beirats- (wie auch Vorstands-) Mitglieder mit Bad Honnef nicht viel zu tun haben. Und diese Stadt ist neben den Winzern und Naturliebhabern alleinige Leidtragende.

Schon lange ist die Situation vielen Siebengebirgsliebhabern ein Dorn im Auge. Vor allem die Vordenker einer interkommunalen Gemeinschaft wollen den Club der alten Männer, wie der VVS auch schon mal genannt wird, aufknacken. Aber: Was hat Alter mit mangelhaftem Fortschrittswillen zu tun? Und jüngere Leute sind momentan für solche Ämter schwer zu finden.

Bevor sich die meisten Mitglieder, die Lindlars Vorgänger Herbert Krämer während seiner Amtszeit für den VVS gewinnen konnte (er verdoppelte die Mitgliederzahl), bald wieder verabschieden, muss gehandelt werden. Diese Meinung vertreten jedenfalls nicht wenige Aktivisten des Vereins. Mit Mühe konnten sie bislang verhindern, dass Siebengebirgsliebhaber ihre Mitgliedschaft kündigen. Die Frage ist, wie lange ihnen das noch gelingt.

Kaum auszudenken, welche Folgen ein weiterer Imageschaden des hoch-subventionierten Naturvereins hätte. Andererseits fragen sich Kritiker auch, wieso Grund und Boden des Siebengebirges von einem Verein verwaltet werden. Nicht unberechtigt. Denn wer kann bei so vielen Vorstandsmitgliedern, Beiräten und Mitgliedern Einflussname ausschließen? Burghof und Drachenfelsplateau sind hier sicherlich die bekannteren Beispiele.

Für den Fall, dass die Ära Lindlar auf Grund der Politik des Vorsitzenden bald zu Ende geht, wird einmal mehr ein Name für den Vorsitz gehandelt: der von Bad Honnefs Bürgermeisterin Wally Feiden. Sie beendet im nächsten Jahr ihr Amt als Bürgermeisterin der Stadt Bad Honnef, hat hohe kommunalpolitische Kompetenz, weiß, wie Solidargemeinschaften gebildet werden und zeigt Mut – Kriterien, denen die jetzige VVS-Spitze in der aktuellen Lage offensichtlich nicht sonderlich viel Bedeutung beimisst. Außerdem kommt sie im Gegensatz zum jetzigen Vorsitzenden aus dem Siebengebirge.

Für Wally Feiden ist der Gedanke, sich für eine ordentliche Wahl als Kandidatin zur Verfügung zu stellen, völlig abwegig. Zwei Gründe gibt sie an. Sie habe für die Nach-Bürgermeisterinnen-Zeit überhaupt noch keine Pläne, außerdem bezweifele sie, dass der Einfluss der Bad Honnefer im VVS für einen Erfolg groß genug sei.

Der VVS konnte von honnefshopping.de letzte Woche nicht befragt werden. Obwohl am Donnerstag eine wichtige Vorstandssitzung stattfand und der Vorstand mit Presseanfragen rechnen musste, war Vorsitzender Lindlar nicht erreichbar. Er verabschiedetet sich zu einem Kurz-Tripp nach England. Dementsprechend wurden auch keine dringenden Mail-Anfragen beantwortet.

Auch Freitag war die Vereinsspitze nicht erreichbar. Auf die Bitte nach einer Bestätigungsmail folgte keine Reaktion, stündliche Anrufe innerhalb der Geschäftszeit zwischen 8 und 13 Uhr liefen ins Leere. Stattdessen kam eine freundliche Ansage:

Eine Frage wäre gewesen: „Herr Lindlar, ist es richtig, dass sie kein sonderlich großes Interesse an dem Erhalt der Weinberge auf Rhöndorfer Seite haben?“

Nährstoff für diese Annahme bietet das Vorhaben der Verschönerer, das Siebengebirge ökologisch korrekt zu gestalten. In der Tat haben in dieser Beziehung die Weinbauern Defizite und bekämpfen Insekten und Pilzbefall noch traditionell. Auf der anderen Seite ein Grund mehr, den Weinanbau unterhalb des Siegfriedfelsens zu fördern und zu erhalten. Denn die Verwurzelung der Reeben tragen erheblich mit dazu bei, dass die Stabilität des Erdreichs und damit der gesamten Felsanlage mit natürlichen Mitteln erhalten bleibt.

Eine weitere Frage hätte honnefshopping.de noch einmal zum zunächst angeblich nicht erhaltenen vorformulierten Antrag des Rhein-Sieg-Kreises an die NRW-Stiftung für eine Vorfinanzierung der Sicherungsmaßnahmen gestellt. Der wurde nachweislich unmittelbar nach dem Gespräch im Ministerium von Umweltminister Remmel am 16.9.2013 vom Kreis an die Städte Königswinter, Bad Honnef und den VVS verschickt. Fast alle Beteiligten unterzeichneten ihn umgehend, nur der VVS nicht. Erst am 26.9.2013 sei der Antrag nach Auskunft Lindlars dort eingegangen und sofort unterzeichnet zurückgeschickt worden. Mitglieder vermuteten allerdings weniger eine technische Panne als vielmehr Kalkül.

Am 4.11.2013 tritt die Mitgliederversammlung erneut zusammen. Dann wird sich zeigen, ob sich der Verein für den Zweck einsetzt, für den er 1869 gegründet wurde: die Erhaltung, vor allem aber die Erschließung der herrlichen Siebengebirgslandschaft für den Tourismus.

Stimmt der VVS gegen eine Beteiligung, ist der Super-Gau perfekt. Die Städte Bad Honnef und Königswinter können nicht mehr bezahlen, der Rhein-Sieg-Kreis sieht dann das Land in der Pflicht. In Düsseldorf zeigt man sich zugeknöpft – eine definitive Aussage steht allerdings noch aus.

 

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