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Bad Honnef und Umgebung

“Man muss etwas bewirken, jeder sollte mit anpacken”

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Bad Honnef | Rita Pütz ist sauer. Die “Mit”-Leiterin des “Café International” hat für einen der in Bad Honnef lebenden Flüchtlinge nach langer Suche eine Wohnung gefunden. Im Besitz des Schlüssels ist er bereits, jetzt will das Job-Center die Miete nicht bezahlen. Zu teuer. Dabei soll seine Familie nachkommen und natürlich würde er sich auch mit weniger Raum begnügen.

Die engagierte Ehrenamtliche zeigt für das Verhalten des Amtes wenig Verständnis, denn es ist immens schwierig, Wohnraum für die Flüchtlinge zu finden. Auf keinen Fall gibt sie auf. “Der kann da wohnen bleiben und wenn ich die Miete selbst bezahle.”

Couragierte Menschen, die eine einmalige Willkommenskultur vertreten – vorbildhaft für die Republik.

Die Familien Avsar und Gümüs organisierten mit viel Aufwand die Einladung der Gäste aus den Kriegsgebieten

Die Familien Avsar und Gümüs organisierten mit viel Aufwand die Einladung der Gäste aus den Kriegsgebieten

Ein Fest der Nationen

Heute war so ein Tag, auf den die Stadt stolz sein kann. Die Inhaber des neuen Restaurants “El Chetto” an der Rheinpromenade, Cetin Avsar und Selahattin Gümüs, luden die in Bad Honnef betreuten Flüchtlinge zu einem Essen ein. Kaum zu glauben, dass fast eine Rocker-Gang in den früheren “Jasmins Rheingarten” eingezogen wäre.

Über die Hälfte der internationalen Flüchtlingsgemeinschaft kam. Auch Sampson und Jaschar. Beide leben schon anderthalb bzw. drei Jahre hier, haben Jobs. Jaschar kommt aus dem Iran, ist studierter Ingenieur, Sampson ist in Nigeria geboren, hat dort Frau und drei Kinder. Gewalt, Verfolgung, Krieg vertrieben sie aus ihrer Heimat. Sie loben Bad Honnef und die Gastfreundschaft, sind aber noch lange nicht am Ziel ihrer “Träume” angekommen. “Ja, eine Anstellung als Ingenieur, das wäre toll”, sagt Jaschar. Und Sampson sorgt sich um die Familie, will beruflich weiterkommen. Ob die Kinder irgendwann nach Deutschland kämen? Achselzucken.

“Wahrlich ein Fest der Nationen”, schwärmt Monika Bretschneider über die heutige Veranstaltung. Seit wenigen Monaten ist sie hauptamtlich für einen Teil der Flüchtlingsarbeit bei der Stadt verantwortlich. Mit ihr zählen Nadine Batzella und Christa Luschinski zum “amtlichen” Kernteam. “Ich will da helfen”, hatte sich Monika Bretschneider geschworen und sich einfach “blind” beworben. Nun sieht sie ihre Rolle als Bindeglied zwischen den Flüchtlingen und der Verwaltung.

Bürgermeister Otto Neuhoff unterhielt sich angeregt und locker mit den Gästen

Bürgermeister Otto Neuhoff unterhielt sich angeregt und locker mit den Gästen

Bürgermeister fassungslos über Bund und Land

Der Tag habe zu wenig Stunden, rechnet sie auf die naive Frage vor, ob die Zeit eines normalen Arbeitstages reiche. Außerdem ginge man mit dieser Aufgabe ins Bett. Neben der Psyche würde auch immer wieder der Verstand auf eine harte Probe gestellt. Da müsse man sich kurzfristig um eine schwangere Frau kümmern, die wochenlang in diesem Zustand auf der Flucht war. Oder es werden ebenso kurzfristig 16 Neuankömmlinge angekündigt, für die man alles vorbereitet hat um dann zu erfahren, dass sie wegen Windpocken nicht kämen und dann auf einmal doch kommen, weil sie wider Erwarten keine Windpocken haben.

Chaos, das man ohne Hinterfragen zu bewältigen hat. Wie man über die Tatsache den Kopf schüttelt, dass manche Flüchtlinge monatelang auf ihr Interview warten müssen. So lange bekommen sie keine Ausweise, haben dann nur auf einem Papier stehen, dass sie Flüchtlinge sind.

Bei so viel Unorganisiertheit schwillt auch dem Bürgermeister der Kamm. Er kann seine Stimme kaum bändigen, wenn er nach Erklärungen dafür sucht, warum Bund und Länder bei der Flüchtlingsorganisation so wenig auf die Reihe kriegen. Man könne doch nicht innerhalb von kürzester Zeit den Gemeinden Menschen mit solchen Schicksalen zuteilen. Da müsse es eine bessere Vorbereitung geben, zumindest müssten die Flüchtlinge mit aussagekräftigen Papieren ausgestattet werden. Manchmal kämen die nur mit einem unleserlichen Zettel hier an. Täglich rechne er mittlerweile mit neuen Überraschungen.

Gerade würde die Stadt über ein Mietobjekt für 18 Flüchtlinge verhandeln. “Bei dem Andrang ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein”, sagt der Bürgermeister zerknirscht. Die Verwaltung trage eine sehr hohe Verantwortung, die Belastung ginge manchmal ziemlich an die Nerven.

Florette Hill mit Flüchtlingen aus dem Iran und Nigeria. Sie hatte die Idee zu dem Essen

Florette Hill mit Flüchtlingen aus dem Iran und Nigeria. Sie hatte die Idee zu dem Essen

Ein Zimmer oder kleine Wohnung gesucht

In zwei Jahren rechnet Neuhoff mit 500 Flüchtlingen in Bad Honnef. Aber nur, wenn sich die Lage nicht noch weiter verschlimmert. Davon gehen die Fachleute aus. Und der Ex-Manager realisiert wieder einmal, dass die Verwaltung schon bald gezwungen sein könnte, die erste Turnhalle zu belegen. In welcher Reihenfolge? “Die haben wir nicht festgelegt.” Noch nicht.

Dafür kennt er den Wert seiner Verwaltungsmitarbeiterinnen und der vielen Ehrenamtlichen: “Ich bin tief beeindruckt davon, was diese Frauen und Männer leisten.”

Wie die Verantwortlichen vom “El Chetto”. Tagelang hatten sie sich um die Vorbereitungen gekümmert, neben Zeit viel Geld investiert. Am Tag X kümmerte sich fast der gesamte Familienstab um die Bewirtung der Gäste. “Man muss etwas bewirken, jeder sollte mit anpacken”, versucht Cetin Avsar noch mehr Bürger zu bewegen. “Was die Menschen hier durchgemacht haben, kann man sich nicht vorstellen. Sie haben alles durch die Kriege verloren.”

Neben “El Chetto” unterstützten die Bad Honnef AG, der Wassersportverein, Taxi 2222, das Eis-Atelier und die Konditorei Peter Profittlich die Veranstaltung. Die Idee hatte Florette Hill.

Gegen 19.30 Uhr machten sich die Letzten auf den Nachhauseweg. Eine junge Frau aus dem Irak hat noch keine Bleibe gefunden. Sie sucht dringend das, was Rita Pütz für einen Schützling gefunden hat, aber dem Job-Center zu teuer erscheint: Ein Zuhause. Wer von einem Zimmer oder einer kleinen Wohnung weiß, kann sich bei Monika Bretschneider: monika.bretschneider@bad-honnef.de melden.

Lesen Sie auch Hunff und Honff: So sin se, die Honnefer

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1 Kommentar

1 Kommentar

  1. Ludwig Pütz

    4. September 2015 eingestellt am 14:22

    Kleine Ergänzung zum geäußerten Unmut von Rita Pütz:
    Der syrische junge Mann, der eine Wohnung gefunden hatte, hat heute nach erneutem Gespräche mit dem Bad Honnefer
    Jobcenter von dort die Kostenübernahmezusage für die Miet- und Nebenkosten erhalten.
    Die gestrige Ablehnung basierte auf einem Mißverständnis. Dem Sachbearbeiter war nicht klar, dass es sich um eine
    Familienzusammenführung handelt.
    Nun ist dieTraurigkeit weg und unser Freund kann mit “Elan” an die Renovierung seiner Wohnung gehen und wird dabei
    die Hilfe von anderen Flüchtlingen und Einheimischen erhalten.
    Wir hoffen, dass nun bald seine Frau und sein Kind aus den Flüchtlingszelten in der Türkei zu ihm nach Bad Honnef
    kommen werden.

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Bad Honnef und Umgebung

Wenter Klaavbröder – Einladung zur Prunksitzung mit Prinzenproklamation

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Windhagen | Die KG Wenter Klaavbröder e.V. Windhagen eröffnet das närrische Jahr 2018 mit der Prunksitzung mit Prinzenproklamation bereits am Freitag, 5.1., ab 20 Uhr 11, im Forum Windhagen.

Sitzungspräsident Dennis Heinemann wird ein stimmungsgeladenes Sitzungsprogramm präsentieren, in dem u.a. die Kölner Musikgruppen Miljö und Rabaue und das bekannte Bauchredner-Duo Klaus und Willi und Windhagener Tanzgruppen mitwirken. Karten gibt es im Vorverkauf (info@kg-windhagen) und an der Abendkasse zum Preis von 15,00 Euro. Im Vorverkauf sind Platzreservierungen möglich.

Nach der Sitzung wird ab 23 Uhr wieder die größte Sektbar 2.0 von Rheinland-Pfalz geöffnet sein, in der Alleinunterhalter Mr. Totler für Stimmung sorgen wird. Beim Prinzenlotto kann wieder spekuliert werden, wer als neuer Prinz mit seiner Prinzessin in die Narrhalla Einzug halten wird. Tipps können bei den Elferräten abgegeben werden.

 

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Bad Honnef und Umgebung

Spendenfreitag – Geldsegen für Bad Honnefer Vereine und Organisationen

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Bad Honnef | Heute war in Bad Honnef Sweet Friday statt Black Friday. Anlässlich seines 80. Geburtstags sammelte Hit-Markt-Gründer Juppi Pütz Spenden, die er heute an Bad Honnefer Vereine und Organisationen verteilte. Insgesamt kamen 8.000 EUR zusammen.

Am Abend bekam der THW-Ortsverein Bad Honnef Besuch von den Honnefer Jungs, eine 30 Jahre alte Stammtischgemeinschaft, die ihre Knobelgewinne einmal im Jahr an Honnefer Pänz verteilt. Diesmal gingen 500 EUR an die THW-Jugend. Die schaffte sich von dem Geld neues Sicherungsmaterial an.

 

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Bad Honnef und Umgebung

“Sind die dort eigentlich alle verstrahlt?”

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Bad Honnef | In Selhof wird das dritte Teilstück “Linzer Straße” fertiggestellt, in der Bahnhofstraße wurde mit Kanalbaumaßnahmen begonnen. Bedeutet für Verkehrsteilnehmer und Anlieger: viel Stress. Und den geben sie offenbar an die Kommunalpolitiker weiter.

So berichtete in der Ratssitzung gestern Abend die stv. Fraktionsvorsitzende des Bürgerblocks, Katja Kramer-Dißmann, von unerträglichen Verkehrszuständen in Selhof. Der Verkehr wird dort über den Feilweg, die Kucksteinstraße und die Menzenberger Straße umgeleitet. Unter anderem sei sie wegen der Situation von wütenden Bürgern gefragt worden, ob die im Rathaus eigentlich alle “verstrahlt” seien.

Dißmann forderte nun gebündelte Aktionen, um das Chaos zu beenden. Dabei regte sie unter anderem intelligente Lösungen, kleinere Busse und die Prüfung weiterer Umleitungsmöglichkeiten an.

Die Verwaltung sagte zu, sich des Themas kurzfristig anzunehmen.

Auf verkehrstechnische Missstände im Bereich der Baumaßnahmen in der Bahnhofstraße machte FDP-Fraktionsvorsitzende Martina Ihrig  aufmerksam. Außerdem schilderte sie Beobachtungen, nach denen dort teilweise nur sehr schleppend gearbeitet würde, manchmal hätte sie überhaupt keine Arbeiter auf der Baustelle gesehen.

Die Verwaltung wies darauf hin, dass es anfangs zu verspäteten Materiallieferungen gekommen sei.

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