Kansy. Aber will sie?

 

Seit acht Jahren ist Petra Kansy Vorsitzende der CDU-Frauen Union in Bad Honnef. Manche Bad Honnefer Bürger und Geschäftsleute halten sie für die ideale Nachfolgerin von Bürgermeisterin Wally Feiden, deren Amtszeit 2014 abläuft. honnefshopping.de sprach mit der gebürtigen Sauerländerin und Rechtsanwältin über Männerquoten, die Politikfreudigkeit Bad Honnefer Frauen und ihre eigene politische Karriere – oder ihren vorläufigen Karrierestopp?

 


 

honnefshopping.de: „Der reine Männerstaat ist das Verderben der Völker“. Sie wissen, von wem das  Zitat stammt?

Petra Kansy: Sie werden es mir sagen.

Helene Weber, Mitbegründerin der Frauen Union. –  Haben Sie wegen dieser Aussage 2004 gegen Ihren eigenen CDU-Bürgermeisterkandidaten Brassel kandidiert?

Ich glaube nicht, dass der reine Männerstaat das Verderben der Völker ist. Mir ging es schlicht um Vielfalt. Nur wenn man mehrere Kandidaten zur Auswahl hat, kann man den besten finden.

Mehr steckte nicht dahinter?

Kein feministischer Gedanke. Ich war der Auffassung, dass hier etwas passieren musste.

Passieren?

Ich kam damals – nach einem dreijährigen Zwischenstopp in München –  aus Baden Württemberg nach Bad Honnef und hatte den Eindruck, dass im CDU-Stadtverband zu wenig Bewegung war, zu wenig Leben.

Ist Ihnen die Wiederbelebung gelungen?

Ich denke, wir haben ab diesem Zeitpunkt einen Diskussionsprozess in Gang gesetzt. Und: Aus zwei Lagern wurde eins.

Jetzt steht wieder ein Mann an der CDU-Spitze in Bad Honnef.

Ja. Und der ist gut.

Und warum stehen Sie nicht dort?

Weil ich nicht kandidiert habe.

Kein Interesse an politischer Karriere?

Ich konnte diesen Job mit meinen beruflichen Vorstellungen und meinen familiären Verpflichtungen nicht vereinbaren.

Wie SPD-Chef Gabriel. Der tritt nach der Geburt seines Kindes auch kürzer.

Ich kenne auch CDU-Männer, denen Familienleben mindestens genau so viel bedeutet, wie politische oder berufliche Anerkennung.

Flucht vor Überforderung am Arbeitsplatz?

Vernünftige Lebensgestaltung. Übrigens ein guter Tipp zur Reduzierung der Gesundheitskosten.

 „Wenn Sie als Frau im Management authentisch sind, haben Sie verloren“, zitiert die Zeitschrift stern eine weibliche Führungskraft. Verstehen Sie das?

Ich glaube, Frauen machen manchmal den Fehler, nicht authentisch zu sein. Wahrscheinlich ist die Luft in einigen Vorstandsetagen so dünn, dass Frauen meinen, die besseren Männer sein zu müssen. Davon rate ich ab.

Dann muss der NDR doch keine Männerquote einführen?

Männerquoten in einer Gesellschaft, in der Männer dominieren? Abgesehen davon: Es geht bei Quoten um die Gleichstellung von Mann und Frau und nicht um ‚Besser sein‘.

 

Frauen: Interesse an Parteiarbeit gering

Wozu braucht Deutschland eine Frauen Union?

Ich glaube nach wie vor, dass Politik Interessensschwerpunkte braucht. Frauen, Senioren, junge Menschen können Ihre Ziele besser umsetzen, wenn sie sich zusammenschließen und gemeinsam auftreten. Auch bei der Nominierung von Kandidatinnen für politische Ämter sind solche Arbeitsgemeinschaften hilfreich.

Der Ursprung der Frauen Union liegt über 60 Jahre zurück. Mittlerweile haben wir Buntfernsehen und eine Bundeskanzlerin.

Trotzdem. Die Themen sind heute andere, komplexer.

Welche Themen?

Vereinbarkeit von Familie und Beruf finde ich sehr wichtig oder die Absicherung der Frauen im Alter. Es ist ja häufig immer noch so, dass Frauen keine eigene Alterssicherung aufgebaut haben oder aufbauen konnten. Aber auch das Thema Karrierechancen von Frauen mit Familie ist mir wichtig.

Was machen die Frauen der Union anders, als die CDU-Männer?

Für mich ist die Frauen Union ein bisschen wie das soziale Gewissen. Wir kümmern uns um Dinge, um die sich Frauen auch im Alltag kümmern: Bildungspolitik, Sozialpolitik, Familienpolitik – aber natürlich sprechen wir auch auf anderen Politikfeldern mit.

Also die klassische Rollenverteilung!

Wir haben auch immer mehr Männer in unserer Partei, die sich mit diesen Themen beschäftigen.

Wie ist Ihr Bild von der klassischen Bad Honneferin?

Sie ist gut ausgebildet, wirtschaftlich gut situiert, familienorientiert.

Politisch interessiert?

Ich bin immer wieder erstaunt, wie politisch viele Frauen in Bad Honnef sind. Die wissen, was sie wollen und haben was zu sagen. Allerdings ist das Interesse an Parteiarbeit gering.

Weil zu langweilig?

Vielen Frauen fehlt neben Beruf und Familie oftmals einfach die Zeit für ein parteipolitisches Engagement. Soweit ich das beurteilen kann und mit Blick auf die Frauen Union in Bad Honnef sehe ich momentan leider keine Trendwende.

Sie haben auch Familie und Beruf und engagieren sich trotzdem?

Bevor ich mich in Bad Honnef kommunalpolitisch engagiert habe, war ich schon in verschiedenen Gremien aktiv: Als Elternratsvorsitzende im Kindergarten, als Schulpflegschaftsvorsitzende  im Stadtelternrat … Ich nehme wahr, dass sich in diesen Gremien viele junge Bad Honnefer Frauen und auch Männer engagieren. Natürlich, dort vertritt man seine aktuellen Anliegen, die Arbeit ist nicht so abstrakt und ganz so intensiv wie in einer Partei. Aber natürlich muss jeder Bürger wissen, dass Demokratie und politische Selbstbestimmung nur möglich ist, wenn sich die Menschen politisch organisieren. Vielleicht führt ja auch bei anderen der Weg in die Partei über ihr sonstiges ehrenamtliches Engagement wie z. B. den Stadtelternrat.

 

Bürgermeisterin? Keine Ambitionen

Was haben Sie als Vorsitzende der Frauen Union erreicht?

Eine gute Vernetzung der Frauen Union in der Stadt. Drei unserer Vorstandsfrauen sind gleichzeitig im Rat vertreten. Uns ist es zum Beispiel gelungen, unsere politischen Vorstellungen in die politischen Gremien hinein zu tragen. Ich glaube, das ist wirklich ein Erfolg. In vielen CDU-Verbänden arbeiten die Frauen gerne in der Frauen Union mit, übernehmen aber keine Mandate.

Und was sind Ihre kommunalpolitischen Ziele bis 2014?

Ich bin bis zum Ende der Ratsperiode gewählt und werde den Verpflichtungen als Ratsmitglied und stellvertretende Fraktionsvorsitzende voll und ganz nachkommen. Zusätzlich übe ich noch so manches Amt aus. Das tue ich sehr gerne und mit ganzer Kraft.

Das hört sich nach Abschied an.

Ende des Jahres werde ich den Vorsitz in der Frauen Union abgeben – nach acht Jahren.

Weil Sie sich auf eine Kandidatur als Bürgermeisterin 2014 vorbereiten, wie es viele Geschäftsleute und Bürger hoffen?

Ist das so? Das überrascht mich. Aber da habe ich keinerlei Ambitionen.

Das sagt NRW-Ministerpräsidentin Kraft über eine Nominierung als Kanzlerinnenkandidatin auch.

Ich weiß nicht, wie Frau Kraft sich entscheidet. Für mich ist wichtig, dass wir in den Gremien zusammensitzen und eine gute Personalentscheidung treffen.

Da sind Sie sich vollkommen sicher?

Als Bürgermeisterin könnte und dürfte ich nicht noch zusätzlich eine andere berufliche Tätigkeit ausüben. Ich liebe meinen Beruf als Anwältin und möchte ihn nicht aufgeben.

Wer wird‘s, wenn nicht Sie?

Diese Beratungen sind noch nicht abgeschlossen. Für mich ist wichtig, dass sich die Allianz in Bad Honnef auf einen gemeinsamen Kandidaten verständigt, damit die Gestaltungsmehrheit bestehen bleibt.

Also Sebastian Wolff?

Ich halte es für richtig, dass der Kandidat ein christdemokratisches Parteibuch hat.

Wird die Jamaika-Allianz auch nach 2014 bestehen bleiben?

Dafür sehe ich gute Chancen.

 

Zur Person

Petra Kansy, 49 Jahre alt, katholisch, verheiratet, ein Kind. Seit 1994 in Bad Honnef. Selbstständige Rechtsanwältin in eigener Kanzlei in Bad Honnef, Schwerpunkte Arbeits- und Familienrecht. Seit 2004 Mitglied im Rat der Stadt Bad Honnef, Vorsitzende des Bildungsausschusses. Überzeugung: Kinder und Jugendlichen brauchen eine starke Lobby im Bereich Bildung und Erziehung.

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