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Eklat in Rhöndorf – Dabei gings um Rommersdorf

Villa Schaaffhausen spaltet die Geister – Bürgermeister wollte Bürgerbefragung vorzeitig beenden

Bad Honnef-Rhöndorf | Zoff in der Aula von „Haus Rheinfrieden“. Vierzig Minuten nach Beginn der Bürgerbefragung in Rhöndorf zum Rommersdorfer Villa-Schaafhausen-Projekt war Bürgermeister Otto Neuhoff kurz davor, die Veranstaltung abzubrechen. Eine Gruppe von Skeptikern wollte heute Abend mit zig Fragen zum Verfahren die Mannschaft des Bürgermeisters, den Investor und den Projektplaner in die Enge treiben. Das ging daneben.

Stadtplaner Dirk Wiehe, der den Abend moderierte, behielt bis auf Millisekunden die Ruhe, wies immer wieder darauf hin, dass es sich um eine Informationsveranstaltung handele, in der keine Fragen zum Verfahren geklärt würden. Und: „Wir stehen verfahrenstechnisch noch ganz am Anfang.“

Als eine Besucherin die Bonität des Projektentwicklers Menge in Zweifel zog („Am Biertisch spricht man davon, sie seien schon einmal in Privatinsolvenz gewesen“), platzte Neuhoff der Kragen. Mehrfach entzog das Stadtoberhaupt Hineinrufern das Wort („Jetzt halten Sie doch mal den Mund“) und unterbrach dann endlich die Befragung für fünf Minuten. In der Zwischenzeit solle sich jeder überlegen, ob er noch an Infos zu dem Projekt interessiert sei. Was die Mehrheit dann nach der Verschnaufpause bejahte.

Villa Schaafhausen-Planung mit Lichtspiel
Villa Schaafhausen-Planung mit Lichtspiel

Streitpunkt war zuvor vor allem das „beschleunigte Verfahren“, das die Stadt bei dem Bebauungsplan anwenden will. Das Verfahren macht es möglich, die „Wiedernutzbarmachung von Flächen, die Nachverdichtung oder andere Maßnahmen der Innenentwicklung“ zu beschleunigen. Somit kann unter anderem von einer Umweltprüfung abgesehen werden, die nach Auffassung der Kritiker auch die umliegenden FFH-Gebiete (spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden) einbezogen hätte.

Bürgermeister Otto Neuhoff bekräftigte, dass das bisherige Vorgehen der Stadt von keiner Behörde in Frage gestellt worden sei, ob nun seitens der Umweltbehörde oder des Denkmalschutzes. Fabiano Pinto, bei der Stadtverwaltung verantwortlich für die infrastrukturelle Entwicklung, erklärte, schon aus Gründen „planerischer Ethik“ müsse die Stadt so prüfen, dass letztlich das Vorhaben nicht scheitern könne.

Projektleiter Johannes Menge machte noch einmal auf die Gründe seines Engagements aufmerksam. Er habe sich in die Villa verliebt, es ginge ihm um den Erhalt und die Entwicklung des Areals. Ziel sei immer gewesen, die Villa zu sanieren und dieses Vorhaben mit einer Neubebauung zu realisieren – alles „denkmalgerecht“. Ein Café/Bistro habe man in der Villa unterbringen wollen, dazu zehn Wohnungen und eine physiotherapeutische Praxis. Von dem Café sei er schon abgerückt, weil die Anwohner ein zu großes Verkehrsaufkommen befürchteten. Die Praxis ist für Menges Frau vorgesehen, die Physiotherapeutin sei, außerdem wolle er selbst später mit seiner Familie auf dem Grundstück wohnen.

Vier Baukörper mit maximal 30 Wohnungen sollen entstehen bei einer Gesamtwohnfläche von 2700 Quadratmeter inklusive Terrassen. Balkone gibt es nicht. 38 Stellplätze für Autos sind in einer Tiefgarage vorgesehen, für die Mieter der Villa stünden 16 Plätze zur Verfügung. Insgesamt sieht die Planung 81 Stellplätze vor.

Zunehmen würde der Verkehr. So rechnete Ingenieur Hendrik Halbe vor, dass sich die Durchschnittsbelastung in der Schaaffhausenstraße um 150 Autos pro Tag erhöhen würde, in der Rommersdorfer Straße um 138 und in der Wilhelmstraße um 133. Insgesamt müssten sich die Verkehrsteilnehmer im Messbereich täglich auf  zehn Sekunden mehr Wartezeit einstellen.

Während der Bauphase wäre vom Bauverkehr hauptsächlich die untere Schaaffhausenstraße betroffen. Eventuelle Schäden an Häusern trüge der Verursacher, so Menge. Bürgermeister Otto Neuhoff versicherte, dass auch mögliche Straßenreparaturen nicht zu Lasten der Anlieger gingen.

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