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"Eine Behörde im aussichtslosen Unterfangen der Selbstrechtfertigung ist kein guter Ratgeber"

Bad Honnef | Weinbergsicherung und keine Ende. Nachdem die Bezirksregierung aus arbeitschutzrechtlichen Gründen das Konzept der Winzerfamilie Pieper für eine Zwischensicherung nicht akzeptierte, können dringende Maßnahmen in den Weinbergen nicht durchgeführt werden. Felix Pieper rechnet mit einer Verzögerung von vier oder mehr Wochen.

Burkhard Hoffmeister, Sprecher der Bad Honnefer Grünen und Kandidat für den Kreistag, nahm auf Anfrage von Honnef heute zu der Entscheidung Stellung, blickte auch noch einmal zurück und sagt, was jetzt getan werden sollte:

„Es mag manchen überraschen, doch ich halte die Entscheidung der Bezirksregierung für in sich logisch. Sie wird allen (!) Beteiligten helfen, auf den Pfad seriöser Arbeit am Problem zurückzukehren, die richtigen Schritte zu tun und die richtigen Maßnahmen zu realisieren. Sie wird gründlich dafür sorgen, dass die Sicherung vor Felssturz schneller im Weinberg steht.

Es war und ist ein Ablenkungsmanöver, die Hoffnung zu schüren, dass eine provisorische Sicherung Arbeitsschutz bietet gegen jene Felssturzgefahr, die von dieser Behörde in Köln offiziell angenommen wird.

Bitte bedenken Sie sich, dass die Weinbergsperrung von derselben Behörde verfügt wurde. Auf Basis eines Gutachtens, von dessen grobschlächtiger Fehlerhaftigkeit wir heute ohne jeden Zweifel wissen.

Erinnern Sie sich noch an den Namen Düllmann? Er war dieses Unternehmen, welches die Gefährdung beschrieb. Also betrachten wir noch einmal kurz die Kernaussagen des Gutachtens in Gegenüberstellung zur Wirklichkeit:

  • Vier Partien im Felshang sollten gesondert gesichert werden. Tatsächlich beweisen die wiederholten Besichtigungen vor Ort incl. Dutzender Fotos: Es gibt genau einen (!) Klotz im Hang, der gesichert werden sollte – und das auch noch auf eine ganz andere Art und Weise als damals entworfen.
  • Die Sicherung weiterer Bereiche ist schlicht überflüssig. An zwei Stellen sollten Murgangsicherungen in Form von Sperren an Engpässen errichtet werden. So etwas baut man im Gebirge, wenn darüber liegende ausgedehnte Geröllfelder oder Wasserläufe dies erfordern. Solche Felder gibt es oberhalb des Steilhanges jedoch NICHT, dort ist der Berg sehr schnell „zu Ende“. Die Sperren hätten allerdings wie Pfropfen mit der Zeit zu Gefährdungen führen können durch Ansammlung mindervolumigen Materials sich addierender kleiner Steinabgänge; das Unwetter im letzten Sommer zeigte deutlich, was Wasser mit im Hang angesammeltem Material machen kann. Sperren wären also nicht nur kontraproduktiv, sondern einfach nur gefährlich.
  • Die Zäune waren an falscher Stelle UND in ungeeigneter Ausführung geplant. Wenn überhaupt gesichert werden soll, dann waren DIESE Planungen mangelhaft und ohne Aussicht auf erfolgreiche Erfüllung ihrer Funktion. Heute sind die Standorte korrigiert und flexible, auslenkende Zäune nach dem Prinzip „Der-Klügere-gibt-nach“ definiert, um die angenommenen Energien tatsächlich meistern zu können.
  • Auf Steinschlagsimulationen – durchaus verfügbar und technischer Standard – verzichtete das Gutachten monatelang und plante „einfach so“. Erst der durch die Winzer gebrachte Gutachter Feuerbach brachte durch Simulationen am PC Verfahrenssicherheit – und nicht unwesentliche Veränderungen der Maßnahme.

Zu Recht sprechen die Winzer von Verzögerungstaktik. Dass die Arbeitsschutzbehörde von „Hilfe“ und „Beratung“ spricht, wird natürlich als Hohn empfunden. Wohl kaum ist die Annahme von der Hand zu weisen, dass hier jemand Recht behalten will, dessen Arbeitsgrundlage (Düllmann-Gutachten, „Expertise“ des Geologischen Dienstes) längst erschüttert und mühevoll korrigiert wurde.

Jetzt wiehert jener Amtsschimmel wieder, auf den der gutwillige und stets unterstützende Herr Haselier bereits hereinfiel, als er zum Versuch eines provisorischen Schutzes riet. Dabei soll aber nicht vergessen werden, dass Jörg Haselier immer an der Seite der Winzer stand und ehrlich die Interessen des einzigen Weinbaus in NRW vertrat.

Eine Behörde im aussichtslosen Unterfangen der Selbstrechtfertigung ist kein guter Ratgeber. Doch sie sitzt an einem langen Hebel.

ES WAREN STETS ZWEI FEHL-ORIENTIERUNGEN, DIE OBJEKTIV GEGEN DIE WINZER GERICHTET WAREN:

1. Verzögerungen lancieren und Diskussionen abseits wirklicher Schutzmaßnahmen initiieren

2. der Versuch, die Winzer zu einer Klage gegen das Land zu überreden – also gegen einen Beteiligten, der IMMER auf Seiten der Winzer stand und die mit Abstand größte (auch finanzielle) Hilfe leistet.

Der Versuch, die Winzer für einen absurden politischen Kreuzzug zu instrumentalisieren, ist bereits gescheitert.Warum auch sollten die Winzer ausgerechnet die Hand beißen, die sie füttert?

Nachdem wir ganze Phalanxen von Honnefer Kommunalpolitiker auf Bühnen für Fotografen posen sahen, nachdem wir Nobby Blüm im Kölner Express mit Strumpfhosen und Zipfelmütze als Robin Hood des Wingerts schon vergessen haben, nachdem ausgerechnet der bei der SPD best-gehasste Wolfgang Clement den Mund vollnahm ob seiner Kontakte zu eben jener SPD, um dann folgerichtig wirklich gar nichts zu erreichen – da sollten wir uns auf uns selbst und unsere FREUNDE besinnen. Wir waren in der Lage, abstruse Plakate schon auf der ersten Demonstration zu ertragen wie „In Düsseldorf geRemmelt – den Weinberg versemmelt“. Wir schlossen sogar mit dem VVS Frieden, der irgendwann erkannte, dass wir keine Gegner sind. (Worin auch?)

Also hilft uns die vorhersehbare Absage aus Köln, Folgendes zu tun:

  • sofort und unbedingt die kürzestmögliche Ausschreibung durchführen
  • sorgfältig die Bautermine mit dem Naturschutz – Zipp- und Zaunammer, Mauereidechse, Nattern – koordinieren
  • den Zaun errichten lassen – und nur darauf zu achten

Nur solch seriöse Arbeit wird zu einem belastbaren Ergebnis führen. Es gibt keine Alternative, keine Erfolge durch Tricksereien. Die es ehrlich meinenden Winzer wurden damals bereits ein erstes Mal geschockt, als vermeintliche Freunde sich bei den VVS-Abstimmungen gar nicht freundlich verhielten und erkennbar allein das politische Geschäft betrieben, die Weinbauern auf den Klageweg gegen die Landeswregierung zu drängen. Dem folgten weitere Erfahrungen mit einer verweigerten Ordnungsverfügung und nun mit der irrigen Hoffnung auf Provisorien. Stets begleitet von einer sehr deutschen Bürokratie, die sich auch schon mal entzieht und das Licht der Öffentlichkeit scheut, offenbar jedoch oft vergessen hat, wem sie dienen sollte und wer sie beauftragt. Wenn nicht ehrliche Kümmerer wie das Umweltministerium geholfen hätten, wäre es düster geworden. Und wenn es nicht Solidarität Vieler und die Unterstützung der Heinzelmännchen gegeben hätte, wäre es noch aussichtsloser gewesen.

Insofern ist der Irrweg einer provisorischen Lösung ein weiteres Kapitel dieses Lehrstücks.

 

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