Collagen & Chiffren, Formen & Farben, Papier & Pinsel:

 

Bad Honnef | Bemalen – bekleben – beschreiben – bezeichnen – collagieren – übermalen – schreiben: In Worte zu fassen, wie Rita Ellers Kunst entsteht, ist nicht einfach. Denn genauso komplex und vielschichtig wie der künstlerische Prozess selbst sind die Werke der im Rheinland geborenen und in Mainz lebenden Künstlerin: einprägsame Bilder und einmalige Künstlerbücher.

Am Sonntag, 9. Juni, um 11 Uhr wird diese außergewöhnliche Ausstellung im Kunstraum Bad Honnef eröffnet und ist bis zum 30. Juni zu sehen.

„Meine Arbeiten entstehen vorwiegend auf Papier, das auf mich einen starken Reiz ausübt“, so Rita Eller, die vor allem „die Flexibilität dieses beweglichen, sensiblen Bildträgers Papier“ schätzt. Doch auch „Fundstücke aus Holz, aufgerissene Plakatwände oder Fotografien, Literatur, meist Lyrik“ finden Einlass in ihre Arbeiten.

„Schrift wird zur Zeichnung“

Der Entstehungsprozess ihrer Bilder sei die künstlerische Auseinandersetzung mit dieser Vielzahl an Materialien und Ideen, erläutert die Künstlerin: „Die überwiegend gerissenen Papiere unterschiedlicher Art und Qualität übermale ich mit Acryl. In die noch feuchte Farbe zeichne und schreibe ich die Texte, von denen zum Teil nur noch Chiffren übrig bleiben. Schrift wird zur Zeichnung. Es bildet sich ein Gedanken-, Formen- und Farbenspiel, das die Ausgangsmaterialien wie Farbvolumen, Papierstruktur und Textfragmente in einen neuen Sinnzusammenhang stellt und zur Versinnbildlichung einer Idee führt. So entstehen meine Bilder.“

Rita Eller

Rita Eller: “Was also ist Zeit?”

Rita Ellers Auseinandersetzung mit der Zeit findet ihren Niederschlag in den eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Collagen auf Papier, mit dem Titel „Was also ist die Zeit?“: Rätselhafte Zeichen – sind es antike Säulen? Oder Tempel? Oder Runenschrift? „Die Zeit verläuft zwischen gegensätzlichen Polen, in der Gegenüberstellung von Schwarz und Weiß zum Ausdruck kommt. Eine philosophisch-künstlerische Suche, die auch den Betrachter zum Mit-Denken und Mit-Fühlen einlädt.

Gefühle & Gedanken hinter Glas gefangen – Bilder bleiben „unantastbar“

Dynamisches Rot und Schwarz, ein Knäuel aus unlesbaren Schriftzeichen – zwei große Bilder Rita Ellers versinnbildlichen ihre Interpretation der Gefühlswelt Hölderlins: In expressiven Farben und Formen gefasst hat die Künstlerin die berühmten Liebesbriefe des Dichters und seiner Diotima (Susette Gontard): „Ich muß Dir schreiben Lieber! Mein Herz hält das Schweigen gegen Dich länger nicht aus…“

Die Kraft der Emotionen wird hinter Glas präsentiert. Das schafft Distanz zum Betrachter. „Hinter Glas und an der Wand sind die Bilder unantastbar“, sagt die Künstlerin.
Explosion der Gefühle und Gedanken – Bilder sind und bleiben zweidimensional.

Künstlerbücher lassen sich tasten und fühlen

Ganz anders verhält es sich hingegen mit den Künstlerbüchern. Diese stehen im Zusammenhang mit den Bildern, sind jedoch als eigenständige Kunstwerke zu verstehen. Zwar werden Künstlerbücher in der gleichen Technik hergestellt wie die Bilder. Rita Eller: „Ein wesentlicher Unterschied liegt jedoch in der Betrachtungsweise. Die Bücher sind als dreidimensionale Objekte zu betrachten; sie können in die Hand genommen werden. Ebenso wie ich das Buch Seite um Seite, bemale, beklebe, beschreibe und bezeichne, also eine besondere Art der Bearbeitung vornehme, erfordert das Betrachten des Buches auch eine besondere Art der Wahrnehmung.“

Unikate als besondere Geschenkidee

Palmblattbindung, Klebebindung, Schulheftbindung, verschiedene Formate, Formen, Farben und Ideen – kein Buchobjekt gleicht dem anderen. Jedes ist ein Unikat. Daher eignet sich ein solch einmaliges Werk als ganz besonderes Geschenk für einen Menschen, den man als einmalig empfindet.

Wenngleich Rita Ellers Schau durchaus als Verkaufsausstellung gedacht ist, sind für sie bestimmte Werke unverkäuflich. So etwa „Du bist immer gebunden“ von 2008: Eine kleine schwarze Schachtel mit 23 Papierblättern. Mittels der sogenannten Palmblattbindung hält ein roter Faden das Werk zusammen – und ist buchstäblich zu verstehen: Wie ein roter Faden zieht sich der Leitgedanke von stetiger Bindung und ewiger Sehnsucht nach Ungebundensein durch das Werk. Rita Ellers eigens dazu komponierte Lyrik erklärt ihre Auseinandersetzung mit den Befreiungsversuchen der 68er Generation: „Vor 40 Jahren, / die Generation / gegen / die Generation / der Väter und Mütter / gegen deren Einstellungen / gegen deren Denkstrukturen / gegen deren Radikalität / und / deren Auswirkungen / Nur dagegen sein / ist zu wenig. (…) Du bist immer gebunden / Es endet nie.“

Rita Ellers Kunstwerke sind originell und interessant. Werner Osterbrink, Vorsitzender des Vereins zur Förderung von Kunst und Kultur in Bad Honnef, freut sich auf die Vernissage in wenigen Tagen und erwartet zu Recht „außergewöhnliches Interesse an einer außergewöhnlichen Künstlerin“.

Christina Kamner-Geyler

 

Weitere Beiträge

DISKUTIEREN SIE MIT